Nach 8 Jahren Siemens gekündigt: Was mich der Sprung ins Ungewisse über Entscheidungen gelehrt hat
Acht Jahre Siemens. Sicheres Gehalt, klarer Karrierepfad, planbares Leben. Von außen: alles richtig gemacht. Von innen: das leise, hartnäckige Gefühl, mein eigentliches Leben auf „später" zu verschieben – auf ein Später, das nie einen Termin hatte.
Die teuerste Entscheidung ist oft keine
Ich habe lange nicht gekündigt. Nicht, weil die Argumente dagegen so stark waren – sondern weil Nicht-Entscheiden so bequem ist. Es fühlt sich neutral an, dabei ist es eine aktive Wahl: Jeder Monat Warten war eine Entscheidung für das alte Leben, getarnt als Bedenkzeit.
Das kennst du aus deinem Business: Die teuersten Fehler sind selten die falschen Entscheidungen. Es sind die aufgeschobenen. Beim Körper gilt es genauso – nur dass dort niemand quartalsweise die Zahlen prüft. Kein Aufsichtsrat fragt nach deinem Schlaf, deiner Energie, deiner Gesundheit. Die Rechnung kommt trotzdem. Später, aber mit Zinsen.
Der Sprung – und was wirklich passierte
Irgendwann habe ich gekündigt, ein One-Way-Ticket gebucht und bin allein auf Weltreise gegangen. Unterwegs startete ich einen YouTube-Kanal und baute mir ein Online-Business auf – heute zählt der Kanal über eine halbe Million Aufrufe.
Aber der eigentliche Punkt ist nicht das Happy End. Der Punkt ist, was ich über die Angst gelernt habe: Sie war am größten in der Nacht vor der Kündigung – und fast verschwunden am Tag danach. Die Angst vor der Entscheidung war um ein Vielfaches größer als jede Schwierigkeit, die danach tatsächlich kam. Das Gehirn überschätzt systematisch das Risiko des Handelns und unterschätzt systematisch die Kosten des Wartens.
Die beste Entscheidung meines Lebens war die, vor der ich am meisten Angst hatte. Das ist kein Zufall – das ist ein Muster.
Was das mit deiner nächsten Entscheidung zu tun hat
Vielleicht stehst du gerade vor einer Investition in dich selbst – ein Coaching, ein Programm, ein echter Neustart für Körper und Energie. Und vielleicht sagt dein Kopf gerade: „Später. Wenn das Quartal durch ist. Wenn es ruhiger wird."
Dann prüfe ehrlich, wer da spricht: deine Vernunft oder deine Bequemlichkeit im Vernunft-Kostüm. Drei Fragen helfen – es sind dieselben, die ich mir damals gestellt habe:
1. Was kostet mich das Warten wirklich? Nicht in Euro – in Energie, Ausstrahlung, Lebensjahren mit voller Kraft. Rechne es hoch: Wo stehst du nach einem weiteren Jahr im jetzigen Modus?
2. Wovor habe ich konkret Angst? Sprich es aus. Meist schrumpft es beim Aussprechen: „Dass ich es nicht durchhalte." „Dass es nichts bringt." Beides sind lösbare Design-Probleme, keine Schicksalsfragen.
3. Was würde ich einem Freund raten, der genau hier steht? Du kennst die Antwort schon. Du willst sie nur nicht alleine umsetzen müssen – und musst du auch nicht.
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